Karriereplanung

Das Sabbatjahr: Auszeit von der Arbeit

Bei einem Sabbatjahr handelt es sich nicht etwa um ein obskures, ein ganzes Jahr lang andauerndes religiöses Fest. Vielmehr versteht man unter diesem Begriff eine „Auszeit“ von der regulären Arbeit für die Dauer von zumindest sechs Monaten bis zu maximal einem Jahr. Alternativ ist das Sabbatjahr auch als Sabbatical, Freijahr, aber auch Bildungskarenz oder Studienurlaub bekannt, je nachdem, wie die persönliche „Auszeit“ verwendet werden soll. In diesem Artikel erklären wir Ihnen alles, was Sie über das Sabbatjahr wissen müssen.

Wer kann ein Sabbatical in Anspruch nehmen?

Grundsätzlich können alle Berufstätigen – ausgenommen Freiberufler, die ohnehin auf eigene Zeit und Rechnung arbeiten – unter bestimmten Voraussetzungen ein Sabbatjahr in Anspruch nehmen. Manchen Berufsgruppen steht es gesetzlich zu, wobei sich Bundes- und Landesgesetze geringfügig voneinander unterscheiden, andere müssen ein Sabbatical und dessen Bedingungen mit ihrem Arbeitgeber vereinbaren. In allen Fällen gibt es aber gewisse Voraussetzungen und/oder Auflagen, die zu erfüllen sind. Vom rechtlichen Standpunkt betrachtet wird prinzipiell zwischen zwei Gruppen unterschieden, die für ein Sabbatjahr in Frage kommen:

  • Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst
  • Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft

Diese beiden Gruppen wollen wir nun genauer betrachten und klären, welche Regelungen für sie im Einzelnen gelten.

Sabbatical für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst

Sind Sie beamtet oder vom Bund bzw. einem Land als öffentlich Bediensteter angestellt, sind die Bestimmungen hinsichtlich des Sabbatjahrs gesetzlich geregelt. Die am häufigsten genutzte Regelung ist, innerhalb eines Zeitraums von vier Jahren ein Jahr „Auszeit“ in Anspruch zu nehmen. Das Sabbatjahr muss allerdings nicht zwingend in einem einzigen Stück genommen werden. Es gibt auch die Möglichkeit, es auf mehrere Perioden aufzuschlüsseln, wobei jede dieser Perioden mindestens zwei Monate lang sein muss.

Das Sabbatjahr – unabhängig davon, ob am Stück oder in mehrere Zeiträume aufgegliedert – können Sie als Beamter bzw. Angestellter im öffentlichen Dienst so nutzen, wie Sie wollen. Es ist ausdrücklich nicht an irgendeine Weiterbildung gekoppelt wie der Alternativbegriff „Studienjahr“ vielleicht vermuten lassen könnte. Sie können das Freijahr also beispielsweise zum ausgiebigen Reisen nutzen oder es auch einfach nur zuhause verbringen. Das ist ganz alleine Ihnen überlassen.

Wichtig zu wissen ist außerdem: Ihr Arbeitsplatz bleibt Ihnen erhalten und Sie können nach Absolvierung des Sabbatjahrs wieder an Ihre alte Arbeitsstelle zurückkehren – obwohl unter beiderseitigem Einvernehmen auch eine neue Arbeitsstelle/Position vereinbart werden kann. Das Sabbatjahr ist aber auch an gewisse Voraussetzungen gekoppelt. Die beiden wichtigsten sind bestimmte Lohnabstriche und damit verbunden entsprechend verringerte Sozialabgaben.

Die Voraussetzungen und Auflagen für ein Sabbatjahr

Gleich vorweg muss gesagt werden, dass ein Freijahr nur gewährt werden kann, wenn keine dienstlichen Gründe dagegen sprechen. Dann müssen Sie Ihr Sabbatjahr natürlich formell beantragen (und es muss bewilligt werden). Zuerst müssen Sie sich für eine Rahmenzeit entscheiden, die sich aus einer bestimmten Anzahl von Arbeitsjahren plus dem geplanten Sabbatjahr zusammensetzt. Während dieser gesamten beantragten Rahmenzeit erhalten Sie verminderte monatliche Lohnbezüge. Dieser verminderte Lohn wird Ihnen gleichbleibend sowohl während der Arbeitsjahre als auch während des eigentlichen Sabbatjahres weiter ausbezahlt. Der Grundgedanke für diese Regelung ist, dass die Lohnkürzung letztendlich Ihren Arbeitsausfall während des Sabbatjahres wettmacht.

Welche Rahmenzeit-Regelungen sind vorgesehen?

Per Gesetz haben Sie die Wahl zwischen unterschiedlich langen Rahmenzeiten. In jeder dieser Rahmenzeiten ist eine einjährige „Auszeit“ enthalten. Darüber hinaus legt jede dieser Rahmenzeiten einen verminderten monatlichen Lohn fest, den Sie über die gesamte Rahmenzeit hinweg erhalten. Konkret können Sie sich zwischen den folgenden Rahmenzeiten entscheiden:

  • Rahmenzeit zwei Jahre, zusammengesetzt aus einem Arbeitsjahr plus einem Sabbatjahr bei einer monatlichen Lohnminderung auf 50 % des vertraglich vereinbarten Arbeitslohns.
  • Rahmenzeit drei Jahre, zusammengesetzt aus zwei Arbeitsjahren plus einem Sabbatjahr bei einer monatlichen Lohnminderung auf 66,67 % des vertraglich vereinbarten Arbeitslohns.
  • Rahmenzeit vier Jahre, zusammengesetzt aus drei Arbeitsjahren plus einem Sabbatjahr bei einer monatlichen Lohnminderung auf 75 % des vertraglich vereinbarten Arbeitslohns.
  • Rahmenzeit fünf Jahre, zusammengesetzt aus vier Arbeitsjahren plus einem Sabbatjahr bei einer monatlichen Lohnminderung auf 80 % des vertraglich vereinbarten Arbeitslohns.

Auch die Sozialabgaben werden bei allen Rahmenzeit-Alternativen im Einklang mit der jeweiligen Lohnminderung anteilig angepasst.

Fallbeispiel zur Rahmenzeit-Regelung

Um die Rahmenzeit-Regelung besser zu verstehen, wollen wir uns ein fiktives Beispiel ansehen: Nehmen wir an, der Beamte Herr S. entschließt sich zur Beantragung einer Rahmenzeit von drei Jahren. Von diesen drei Jahren muss er zwei Jahre lang seinen Dienst versehen und darf ein Sabbatjahr in Anspruch nehmen. Während der gesamten drei Jahre erhält Herr S. im Zuge seiner Rahmenzeit-Vereinbarung monatlich 66,67 Prozent seines vertraglichen Arbeitslohnes ausbezahlt. Auch seine Sozialabgaben sowie die Zulagen des Dienstherrn (Land oder Bund) betragen während des gesamten Zeitraums nur 66,67 % des üblichen Beitragssatzes.

Nach Ablauf der dreijährigen Rahmenzeit-Vereinbarung wird der monatliche Lohnbezug wieder auf die vollen 100 Prozent angehoben und auch die Sozialabgaben kehren auf das normale Niveau zurück. Bevor wir weiter fortfahren, ist es wichtig, noch einmal hervorzuheben, dass sich die bisherigen Erläuterungen ausschließlich auf Beamte und Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst beziehen. Bei Berufstätigen in Unternehmen der privaten Wirtschaft gelten nachfolgende Regelungen.

Sabbatical für Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft

Anders als bei Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst ist für Berufstätige in der Privatwirtschaft das Sabbatjahr nicht gesetzlich geregelt. Es kommt ausschließlich darauf an, was Sie mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren können. Manche Arbeitgeber sind der Bewilligung eines Freijahres eher zugeneigt als andere. Wobei natürlich angemerkt werden muss, dass die Freistellung von der Arbeit nicht unbedingt ein ganzes Jahr betragen muss. Sie können sich mit Ihrem Arbeitgeber also durchaus auch auf einen kürzeren Zeitraum einigen. Auf jeden Fall sollten Sie bei dem Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten die folgenden Punkte ansprechen:

  • Ob Ihr Lohn weiterbezahlt wird und falls ja, mit welcher Lohnminderung Sie zu rechnen haben. Selbstverständlich können Sie sich aber auch darauf einigen, während Ihrer „Auszeit“ überhaupt keinen Lohn zu beziehen, also quasi unbezahlten Urlaub zu nehmen.
  • Ob Ihr Arbeitsplatz erhalten bleibt, d. h. ob Sie nach Absolvierung Ihrer „Auszeit“ wieder an Ihre alte Stelle zurückkehren können bzw. welche Stelle nach dem Sabbatjahr auf Sie wartet.
  • Ob Ihre Sozialabsicherung (Pensionskasse, Krankenversicherung, usw.) weiterläuft und zu welchen Bedingungen, also ob z. B. während der Auszeit nur anteilige (verringerte) Beiträge gezahlt werden.

Für Lehrkräfte an staatlichen Schulen gelten die gleichen Regelungen wie für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst. Lehrer an Privatschulen werden hingegen wie soeben beschrieben als „Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft“ behandelt.

Fallbeispiel zum Sabbatical für Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft

Die Bürofachkraft P. hat mit ihrem Vorgesetzten eine Freistellung von sechs Monaten vereinbart, um sich so einerseits um ihre erkrankte Mutter kümmern zu können und andererseits ihre Englischkenntnisse in einem Fernsprachkurs aufzufrischen. Eine Bildungskarenz hat P. für den Sprachkurs nicht beantragt. Mit dem Vorgesetzten wurde vereinbart, dass P. für das halbe Jahr unbezahlten Urlaub erhält und danach an ihren Arbeitsplatz zurückkehren kann. Allerdings führt der Arbeitgeber während dieses Zeitraums seinen Anteil der Sozialabgaben weiter in voller Höhe ab.

Bildungskarenz

Eine spezielle Form des Sabbatjahres ist die Bildungskarenz (bzw. der „Studienurlaub“). Sie kann von jedem Berufstätigen beantragt werden. Bisweilen wird sie von Unternehmen sogar verordnet, um Mitarbeiter in neuen Fertigkeiten anzulernen oder deren berufliches Fachwissen zu erweitern. Die Besonderheit einer Bildungskarenz ist natürlich, dass Sie während dieser „Auszeit“ nachweislich an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen müssen. Die Bildungskarenz ist in Österreich nach dem Paragrafen 11 des Arbeitsvertrags-Anpassungsgesetzes (AVRAG) geregelt.

Wenn Ihr Arbeitgeber Sie zu Weiterbildungsmaßnahmen entsendet und damit für mehr oder weniger lange Zeit von der Arbeit freistellt, brauchen Sie sich keine weiteren Gedanken zu machen. Ihr Arbeitslohn wird weiterbezahlt (genauso wie die Sozialabgaben) und Ihr Arbeitsplatz bleibt Ihnen erhalten. Wenn Sie sich aus persönlichen Gründen entscheiden, ein Sabbatjahr zum Zwecke einer Weiterbildung in Anspruch zu nehmen, kommen nachfolgende Regelungen zur Anwendung.

Bildungskarenz aus eigenem Antrieb

Ihr Arbeitgeber muss Ihnen in einem solchen Fall die „Auszeit“ (die übrigens nicht länger als ein Jahr dauern darf) gewähren und Ihren Arbeitsplatz garantieren. Den Lohn muss er Ihnen während dieser Zeit allerdings nicht weiterbezahlen. Stattdessen können Sie über das österreichische Arbeitsmarktservice (AMS) Weiterbildungsgeld beantragen. Dass Sie zum Zweck Ihrer Weiterbildung tatsächlich freigestellt wurden, muss vom Arbeitgeber bescheinigt werden. Ein entsprechendes Bescheinigungsformular des AMS können Sie hier herunterladen. Ihr Arbeitgeber kann Ihnen aber auch ein firmeninternes Formular ausstellen. Dieser Nachweis kann im Übrigen auch nachträglich ausgestellt werden, um so rückwirkend das zustehende Weiterbildungsgeld zu beantragen.

Fallbeispiel zur Bildungskarenz

Frau M. ist im Unternehmen Y seit mehreren Jahren als Vertriebskauffrau angestellt. Um ihre Kenntnisse im internationalen Marketing zu vertiefen, möchte sie an einem Lehrinstitut einen einjährigen Fachkurs belegen. Ihr Chef hat ihre Entscheidung befürwortet. Das Unternehmen hat sich bereit erklärt, Frau M. während ihrer Bildungskarenz die Hälfte ihres vertraglichen Monatslohns weiter zu bezahlen und auch ihre Sozialbeiträge anteilig zu unterstützen.

In einer schriftlichen Vereinbarung wurde festgehalten, dass Frau M. nach erfolgreichem Abschluss ihrer Weiterbildung ihre Arbeitsstelle in Unternehmen Y wieder antritt und der Firma für mindestens zwei weitere Jahre zur Verfügung steht. Gleichzeitig hat das Unternehmen Frau M. eine Bescheinigung ausgestellt, mit der sie Weiterbildungsgeld beantragen kann. Hält sich Frau M. nicht an die Vereinbarung und kehrt nach ihrer Weiterbildung nicht zur Firma zurück, ist sie verpflichtet, die während der Bildungskarenz erhaltenen Lohnbezüge in voller Höhe an das Unternehmen Y zu erstatten.

Das bezogene Weiterbildungsgeld ist bei einer Verletzung der mit dem Unternehmen Y geschlossenen Vereinbarung von einer Rückerstattung jedoch nicht betroffen, da Frau M. ja nachweislich an der Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen hat (und wahrscheinlich auch ein entsprechendes Zertifikat vorweisen kann).

Weiterführende Informationen zum Sabbatical

Zusätzliche Informationen zur „Auszeit von der Arbeit“, Bildungskarenz sowie Weiterbildungsgeld stellen die folgenden AMS Links bereit:

Mehr dazu

Mehr zum Thema 

Soziale Kompetenz: Wie Sie sie trainieren

Sie und die anderen: Warum soziale Kompetenz so wichtig im Berufsleben ist. Mit diesen Tipps können Sie Ihre soziale Kompetenz trainieren und verbessern

Tipps für besseren Small Talk

Small Talk ist die Kunst der höflichen Konversation. Nutzen Sie die goldenen Regeln des professionellen Chats und erwerben Sie zusätzliche Soft Skills.