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Brutto-Netto: Alles, was Sie wissen müssen

Wenn Sie bereits über eine längere Berufserfahrung verfügen, dann sind Sie mit den Begriffen Brutto- und Nettogehalt am Lohnzettel wahrscheinlich vertraut. Sind Sie aber Berufseinsteiger*in, kann es anfangs verwirrend sein, die Beträge auf Ihrem Lohnzettel richtig zu verstehen. Was genau ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettolohn und woraus setzt sich das Bruttogehalt zusammen? Hier erfahren Sie alles, was sie zu diesem Thema wissen müssen und worauf Sie achten sollten.

Brutto-Netto-Gehalt: Begriffsdefinition und Beispiel für Ihre Karriere

Das Bruttogehalt ist der Gesamtbetrag Ihres Lohnes vor Abzug aller Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Das Nettogehalt ist jener Betrag, der Ihnen ausbezahlt wird – nach Abzug aller fälligen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Bei den Abzügen handelt es sich um die Lohnsteuer und die Sozialversicherung, in der auch die Arbeitslosenversicherung enthalten ist. Der Sozialversicherungsbeitrag liegt aktuell bei 18,12 Prozent für Arbeiter*innen und Angestellte und wird jährlich angepasst. Eine offizielle Quelle zur Berechnung des eigenen Netto-Lohns bietet der Brutto-Netto-Rechner der Arbeiterkammer Österreich.

Hier ein konkretes Beispiel: Verdienen Sie als Arbeitnehmer € 2.500,- brutto pro Monat, beträgt Ihr Nettogehalt – also der Betrag, den Sie monatlich auf Ihr Bankkonto bekommen – rund € 1780,-. Dieses Beispiel ist unter der Annahme berechnet, dass Sie keine Pendlerpauschale bekommen, das heißt, dass öffentliche Verkehrsmittel zumutbar sind und Sie keinen Familienbonus und Alleinerzieherabsetzbetrag erhalten. Unter den beschriebenen Annahmen beträgt Ihr Netto Lohn somit € 720,- weniger als Ihr Bruttolohn. Was nach vielen Abzügen klingt, hat jedoch konkrete Gründe, die weit in die Geschichte des Sozialstaats und auch der Arbeitnehmer*innenrechte reichen.

Online Brutto-Netto-Rechner als nützliches Tool

Online Brutto-Netto-Rechner sind besonders bei einem Jobwechsel sehr hilfreich, um zu erfahren, wie hoch das tatsächliche Gehalt ist und um bei Bedarf von netto auf brutto zu umzurechnen. Berechnet werden bei den meisten online Brutto-Netto-Rechnern Abgaben wie Sozialversicherung und Lohnsteuer, die Pendlerpauschale, allgemeine steuerfreie Zulagen, ein etwaiger Sachbezug, die betriebliche Vorsorge und der Alleinerzieherabsetzbetrag. Auch die Arbeitnehmer*innenseite und deren Kosten können berechnet und angezeigt werden.

Stehen Sie als Arbeitnehmer*in z. B. vor einem Jobwechsel oder gerade mitten in Lohnverhandlungen mit dem neuen Arbeitgeber, dann ist ein Brutto-Netto-Rechner sehr nützlich, um Sie kompetent in die Verhandlungen gehen zu lassen. Üblicherweise erfahren Arbeitnehmer*innen bei den Verhandlungen den Bruttobetrag ihres Gehalts, ebenso in Stellenausschreibungen. Um zu wissen, wie viel Sie davon als Nettobetrag auf Ihr Konto erhalten, ist ein Brutto-Netto-Rechner ein verlässliches Umrechnungstool.

Die Lohnsteuer

Auf alle Einkünfte von Arbeitnehmer*innen ist die Lohnsteuer fällig. Die Arbeitgeber ziehen diese automatisch vom Lohn der Mitarbeiter*innen ab und bezahlen sie an das Finanzamt. Mit einer Einkommenssteuererklärung können Arbeitnehmer*innen selbstständig am Ende jeden Jahres die bezahlte Lohnsteuer auf ihre endgültige Steuerschuld anrechnen lassen. In günstigen Fällen kann ein Teil der bezahlten Steuer rückerstattet werden, etwa aufgrund von steuerlich absetzbaren und beruflich relevanten Ausgaben. In Österreich wird die Lohnsteuer progressiv berechnet, das heißt, je höher das Einkommen ist, desto höher ist auch die zu entrichtende Steuer.

Der Sozialversicherungsbeitrag

Der Sozialversicherungsbeitrag findet sich auf Ihrem Lohnzettel üblicherweise als „SV lfd.“ Als Rechtsgrundlage Ihrer Sozialversicherung dient in Österreich das allgemeine Sozialversicherungsgesetz. Mit dem ersten Arbeitstag sind Arbeitnehmer*innen durch das Unternehmen pflichtversichert. Mit dem vom Bruttolohn abgezogenen Sozialversicherungsbeitrag sammeln sich auch die Versicherungszeiten in der Pensions-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung an. Zusätzlich leisten Arbeitgeber nach dem Fürsorgeprinzip einen Unfallversicherungsbeitrag für ihre Mitarbeiter*innen, und das kommt zukünftig wiederum den Arbeitnehmer*innen und dem Gemeinwohl der Gesellschaft zugute.

Hinter dem Brutto-Netto-Prinzip verbergen sich konkrete Maßnahmen, die das Funktionieren einer Gesellschaft garantieren und besonders in Zeiten von Wirtschaftskrisen eine Art soziales Netz bilden, um zu verhindern, dass Menschen unter die Armutsgrenze sinken oder ganz verarmen. Das hat in Österreich eine lange Tradition.

Das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz ist 1956 in Kraft getreten und beinhaltet die gesetzlichen Bestimmungen zur allgemeinen Sozialversicherung. Somit regelt es die Pflichtversicherung in der Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung sowie die freiwillige Selbstversicherung. Um sich dem im Laufe der Jahrzehnte im Wandel begriffenem Arbeitsmarkt und den Bedürfnissen der Arbeitnehmer*innen anzupassen, wurde es allein zwischen 1956 und 1999 in 55 Novellen immer wieder adaptiert. Es ist damit eines der umfangreichsten Gesetze Österreichs.

Die Pendlerpauschale

Die Kosten der An- und Abreise der Arbeitnehmer*innen zur Arbeit werden auf Grundlage des sogenannten Verkehrsabsetzbetrages abgeglichen. Bei bestimmten Voraussetzungen können Arbeitnehmer*innen eine Pendlerpauschale erhalten – ein Betrag, den sie am Ende des Kalenderjahres von ihrer bezahlten Lohnsteuer absetzen können. Die Pendlerpauschale ist somit eng an das geltende Einkommenssteuerrecht geknüpft und es lohnt sich, sich diesbezüglich zu informieren. Nicht alle Arbeitgeber sprechen dieses Thema von sich aus an oder haben die nötigen Kenntnisse. Die Personalabteilung des Unternehmens, der Betriebsrat oder auch die Arbeiterkammer können Sie hier bei offenen Fragen und Anliegen beraten.

Absetzbare Sachbezüge

Hinter dem Wort Sachbezug verbergen sich Leistungen oder Produkte, welche Arbeitnehmer*innen von den Arbeitgebern während der Dauer ihres Dienstverhältnisses bekommen. In der folgenden Liste finden Sie einige übliche Beispiele von absetzbaren Sachbezügen:

  • Dienstwagen zur dienstlichen und auch privaten Nutzung
  • Dienstwohnung
  • kostenfreies oder verbilligtes Essen (oft in Form von Gutscheinen)
  • Garagenabstellplatz

Alleinerzieherabsetzbetrag/Alleinverdienerabsetzbetrag

Alleinverdiener*innen und Alleinerzieher*innen können üblicherweise einen ihnen gesetzlich zustehenden Absetzbetrag geltend machen. Dieser festgelegte Betrag kann ebenfalls von der Lohnsteuer abgesetzt werden. Dieser Absetzbetrag wird jedoch nur einer im Haushalt lebenden Person gewährt – je nach Voraussetzungen ist dies meist die Person mit dem höheren Monatslohn. Haben beide im gleichen Haushalt lebenden Personen keine Einkünfte oder die gleichen Löhne, geht der Absetzbetrag an die Frau. Eine Ausnahme besteht dann, wenn sich der Mann vorwiegend allein um den Haushalt kümmert.

Der Begriff „Alleinerzieher*in“ definiert sich folgendermaßen: Personen, die mehr als sechs Monate pro Jahr nicht verheiratet oder in ähnlicher partnerschaftlicher Gemeinschaft wohnen und Familienbeihilfe für bereits mindestens sieben Monate für ein oder mehrere Kinder erhalten.

Geringfügiges Einkommen und Werkvertrag

Eine Ausnahme stellt das geringfügige Einkommen und der Werkvertrag dar. Menschen mit einem geringfügigen Einkommen haben keine Abzüge zur Sozialversicherung und Lohnsteuer. Ihr Bruttogehalt ist sozusagen mit ihrem Nettogehalt ident. Im Jahr 2021 liegt die Geringfügigkeitsgrenze bei € 475,- brutto pro Monat.

Auch Werkverträge sind ein Sonderfall: Wer einen Werkvertrag hat, ist selbst für die Sozialversicherungsabgaben und die Abgaben zur Lohnsteuer verantwortlich. Das kann mitunter aufwendiger sein, als wenn sich Arbeitgeber mit professioneller Buchhaltung und Rechnungswesen darum kümmern. Lassen Sie sich im Zweifelsfalle kostenlos – etwa von der Arbeiterkammer – beraten.

Personalverrechnung

Wer sich über den Brutto-Netto-Lohn informieren möchte, kommt an den Themen Lohnsteuer und Sozialversicherung nicht vorbei. Diese fallen in der Regel in den Bereich der Personalverrechnung. Größere Unternehmen haben in der Regel eine eigene Personalabteilung. Dort berechnen die Personalverrechner*innen die Gehälter der Mitarbeiter*innen sowie alle anfallenden Abgaben und kümmern sich um die zeitgerechte Auszahlung der Gehälter und die Überweisung aller Abgaben an die Finanzämter und Sozialversicherungen. Es gibt zahlreiche Softwarepakete, die für die Personalverrechnung hilfreich sind.

Brutto-Netto: Worauf Sie noch achten sollten

Das Wort „netto“ kommt aus dem Italienischen. Seine ursprüngliche Bedeutung heißt etwa „ohne Verpackung“. Auch das Wort „brutto“ ist ursprünglich italienisch und bedeutet „mit Verpackung“. Mit dieser sprachlichen Eselsbrücke kann es für Berufseinsteiger*innen einfacher sein, sich die Unterschiede zu merken. Hier finden Sie eine Liste mit Tipps und Überlegungen zum diesem Thema – gerade wenn Sie neu ins Arbeitsleben eingetreten sind:

  • Lassen Sie sich nicht verunsichern. Besonders der erste Lohnzettel kann für Sie unverständlich sein. Suchen Sie sich fachkräftige Unterstützung bei erfahrenen Kolleg*innen oder direkt in der Personalverrechnung Ihres Unternehmens. Diese Kenntnisse werden Ihnen in den zukünftigen Jahren im Beruf und auch bei einem Jobwechsel zugutekommen.
  • Bei Lohnverhandlungen sind detailierte Kenntnisse hinsichtlich Brutto- und Nettogehalt besonders wichtig, um selbstbewusst aufzutreten und die Forderungen konkret argumentieren zu können. Lassen Sie sich im Vorfeld beraten oder ziehen Sie einen der zahlreichen Brutto-Netto Onlinerechner zu Rate (siehe Arbeiterkammer und Bundesfinanzamt für online Brutto-Netto Rechner).
  • Wenn Sie sich intensiver mit diesem Thema beschäftigen möchten, können Sie einen der zahlreichen Kurse belegen, die es mittlerweile online zum Thema Personalverrechnung und Brutto-Netto-Gehalt sowie den damit verbundenen Abgaben gibt. Ihr Unternehmen wird es Ihnen danken, wenn sie als Wissens-Multiplikator*in auch anderen Kolleg*innen hilfreich zur Seite stehen können.
  • Bedenken Sie, dass das Arbeitsrecht kein totes Recht ist, sondern sich laufend weiterentwickelt. Das gilt besonders für die Aspekte der Lohnsteuer und Sozialversicherung, die nahezu jährlich angepasst werden. Bleiben Sie am Ball und informieren Sie sich am Ende jedes Kalenderjahres über Änderungen, die für Sie relevant sein könnten. Ihre Lohnsteuererklärung am Ende des Jahres wird somit noch effizienter und sie profitieren finanziell.
  • Sobald Sie sich an die Fachbegriffe gewöhnt haben, verstehen Sie auch Ihren eigenen Lohnzettel besser und haben einen wichtigen Schritt gesetzt, um im Berufsleben kompetent zu verhandeln.
  • Informieren Sie sich im Detail zum Thema Sozialstaat, soziales Netzwerk, Arbeitnehmer*innenrechte und Verwendung von Steuergeld. Dies ist eine kontroverse und spannende Thematik, die im Laufe der Geschichte zur Selbstbestimmung der Arbeitnehmer*innen beigetragen hat.

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