Vorstellungsgespräch

Die Frage nach Ihren Schwächen beim Vorstellungsgespräch

Die Frage nach den Stärken und Schwächen gehört zu den Klassikern im Verlauf eines Vorstellungsgespräches und höchstwahrscheinlich wird sie auch Ihnen gestellt, wenn Sie auf der Suche nach einem neuen Job sind. Bereiten Sie sich deshalb gut vor und überlegen Sie im Vorfeld genau, wie Sie diese Frage beantworten. In diesem Artikel geben wir Ihnen einige Ratschläge und Hinweise, wie Sie Ihre Schwächen in einem positiven Licht präsentieren können.

Warum die Frage nach den Schwächen?

Warum wird diese Frage eigentlich gestellt? Die Frage nach den Stärken scheint auf den ersten Blick verständlich zu sein, denn Ihr potenzieller Arbeitgeber möchte wissen, in welchen Bereichen Sie besonders qualifiziert sind. Bei der Frage nach den Schwächen hingegen soll ergründet werden, wie gut Sie Ihr eigenes Verhalten reflektieren können und wie Sie auf Kritik reagieren. Denn in der Regel arbeiten Sie nicht allein, sondern müssen sich mit Kolleg*innen abstimmen bzw. arbeiten in einem Team. Da in diesen Situationen mitunter auch mit Unstimmigkeiten oder unterschiedlichen Meinungen zu rechnen ist, möchten Ihre künftigen Vorgesetzten wissen, wie Sie damit umgehen.

Ebenso wie in privaten Beziehungen stehen Sie auch im Arbeitsleben in Kontakt mit Ihrem Umfeld und jeder Mensch hat gute Eigenschaften und andere, die als weniger positiv gesehen werden. Die Frage nach den Schwächen dient also dazu, ein umfassendes Gesamtbild der Kandidat*innen während eines Vorstellungsgesprächs zu erhalten.

Stellenrelevante Schwächen sind tabu

Es ist offensichtlich, dass Sie keine Schwächen haben sollten, die im Gegensatz zu den erforderlichen Qualifikationen für den von Ihnen angestrebten Beruf stehen. Taxifahrer*innen z. B. sollten keine Probleme mit dem Orientierungssinn haben, Friseur*innen sollten nicht tollpatschig sein und Außendienstmitarbeiter*innen sollten nicht schüchtern sein oder über mangelnde Kommunikationsfähigkeiten verfügen. Identifizieren Sie also bereits vorab die Kernkompetenzen in Ihrem Aufgabenfeld und analysieren Sie auf dieser Grundlage Ihre Schwächen.

Es gibt einige Formulierungen, mit denen Sie auf keinen Fall antworten sollten. Vermeiden Sie zu sagen, dass Sie gar keine Schwächen haben. Dies ist äußerst unwahrscheinlich und kann bei Ihren Gesprächspartner*innen einen unehrlichen Eindruck erwecken. Wenn Ihnen nichts einfällt, überlegen Sie vorab, was Ihre Mitmenschen – bei der Arbeit oder privat – früher einmal an Ihnen kritisiert haben. Weiters sollten Sie vermeiden zu erwähnen, dass sie ein „Workaholic“ sind. Ihre Vorgesetzten werden sich mitunter fragen, warum Sie dies als Schwäche deklarieren und es könnte der Eindruck entstehen, dass Sie diese vermeintliche Schwäche deshalb erwähnen, um von anderen Mankos abzulenken.

Präzise und sachlich – ohne Ausflüchte

Auch unpräzise Eigenschaften wie Geduld oder Ungeduld sind als Antwort auf die Frage nach den Schwächen nicht empfehlenswert. Ohne Bezug zu konkreten Situationen kann sich Ihr Gegenüber darunter nicht viel vorstellen. In dieselbe Kategorie fällt die Erwähnung, Sie seien zu perfektionistisch, denn Ihr Arbeitgeber erwartet in der Regel ja eine professionelle Einstellung und wird sich mitunter fragen, was schlecht daran sein soll, wenn er Mitarbeiter*innen hat, die es bevorzugen, dass die Aufgaben genau und präzise erledigt werden.

In manchen Ratgebern finden sich Vorschläge von etwas frecheren Antworten. Frauen beispielsweise sollen auf die Frage nach ihrer Schwäche mit „teure Schuhe“ oder „Schokolade“ antworten. Von solchen scheinbar schlagfertigen Antworten raten wir allerdings ab. Es ist offensichtlich, dass Ihr zukünftiger Arbeitgeber mit der Frage nach den Schwächen nicht diese Art von privaten „Pseudo-Schwächen“ meint. Dasselbe gilt für Schwächen, die nichts mit dem Arbeitsverhältnis zu tun haben, wie etwa dass jemand nicht Flöte spielen oder nicht kochen kann.

Ehrlichkeit ist Trumpf

Ehrlich währt am längsten und das gilt auch für die Antwort auf die Frage nach Ihren Schwächen. Seien Sie ehrlich, beschönigen Sie nichts und sagen Sie auf keinen Fall die Unwahrheit. Denn mit jeder weiteren Frage, die Sie gestellt bekommen, müssen Sie von neuem improvisieren. Ihre Gegenüber sind in der Regel professionelle und erfahrene Personalverantwortliche und haben bereits viele Bewerbungsgespräche geführt, weshalb ihnen durchaus auffallen wird, wenn sie nicht die Wahrheit sagen.

Außerdem erweisen Sie sich mit erfundenen Unwahrheiten einen Bärendienst, denn Unehrlichkeit ist keine gute Voraussetzung dafür, ein vertrauensvolles Arbeitsverhältnis zu entwickeln. Je offener und ehrlicher Sie also antworten, desto besser ist es für alle Beteiligten.

Schränken Sie die Schwächen gekonnt ein

Nennen Sie also in ehrlicher Weise Ihre Schwächen, die aber auf keinen Fall ein Ausschließungsgrund für die beworbene Stelle sein sollten. Sie können z. B. sagen, dass Sie Probleme mit der Nervosität beim Sprechen vor einer großen Anzahl von Zuhörer*innen haben. Geben Sie wenn möglich zusätzliche einschränkende Faktoren an. Das können Dinge sein wie wenn Sie unter großem Zeitdruck stehen oder die Prozesse noch nicht so gut kennen und daher unsicher sind. Damit erscheinen Ihre Schwächen nicht als absolut gesetzt, sondern können situationsbezogen interpretiert werden und Ihre Vorgesetzten erhalten ein umfassenderes Bild Ihrer Persönlichkeit.

Außerdem wissen sie nun, unter welchen günstigen Rahmenbedingungen Ihre Schwächen ausgeglichen werden können nicht mehr allzu sehr ins Gewicht fallen. Weiters können Sie bei dieser Gelegenheit durchaus auch erwähnen, dass Sie Ihre Schwächen nicht einfach hinnehmen, sondern daran arbeiten und nach Mitteln und Wegen suchen, diese zu kompensieren. Damit wirkt es nicht so, also würden Sie in Passivität verharren, sondern Sie vermitteln den Eindruck, sich aktiv mit Ihrer Persönlichkeit auseinanderzusetzen.

Wenn es also z. B. um Probleme mit der Nervosität beim Sprechen vor einer großen Anzahl von Zuhörer*innen geht, dann können Sie erwähnen, dass Sie einen Kurse and der Volkshochschule über Präsentationen oder das Halten von Vorträgen belegt haben. Wenn Sie zudem erklären können, dass sich bereits erste Erfolge gezeigt haben und Sie sich diesbezüglich verbessert haben, hinterlassen Sie ein guten ersten Eindruck.

Was würden Ihre Kolleg*innen als Ihre Schwäche angeben?

Erfahrungen aus früheren Arbeitsverhältnissen können ebenfalls eine große Hilfe bei der Beantwortung der Frage nach Ihren Schwächen sein. Wenn es z. B. eine Schwäche von Ihnen gibt, die Ihnen bei einem früheren Arbeitgeber aufgefallen ist und Sie daran aber erfolgreich gearbeitet haben, wird dies einen positiven Eindruck machen. Eine mögliche Antwort wäre beispielsweise:

„In meiner früheren Stelle bin ich öfters darum gebeten worden, manche Dinge offener zu kommunizieren. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Einzelkind bin und früher alles mit mir selber abgemacht habe und auch jetzt noch hin und wieder von mir auf andere schließe. Nachdem ich darauf angesprochen wurde, habe ich diese Schwäche auch selbst erkannt. Seitdem gehe ich offener auf meine Kolleg*innen zu und benenne die Dinge beim Namen, was ich früher nicht für nötig gehalten hätte.“ Damit zeigen Sie ihren Vorgesetzten, dass Sie offen für Kritik sind und dass Ihnen an einer angenehmen Arbeitsatmosphäre liegt.

Mit Beispielen Eigeninitiative zeigen

Eine andere Variante, die zeigt, wie Sie selbst an einer Ihrer Schwächen gearbeitet haben, könnte folgendermaßen aussehen: „Früher wurde ich sehr schnell nervös und bin rot angelaufen, wenn ich gemerkt habe, dass mir viele Menschen zuhören. Ich habe mir dann vorgenommen, bei Zusammenkünften in kleiner Runde öfter Witze oder Geschichten zu erzählen. Anfangs hatte ich noch Schwierigkeiten mit der Nervosität, aber mit der Zeit bin ich zunehmend souveräner geworden. Die Runden, vor denen ich gesprochen habe, wurden immer größer und mittlerweile habe ich überhaupt keine Probleme mehr, vor vielen Zuhörern zu sprechen.“

Ein weiteres Beispiel, das Ihre Eigeninitiative zum Selbststudium belegt, könnte folgendermaßen lauten: „Ich habe festgestellt, dass ich die Körpersprache anderer Menschen nicht gut erkennen kann. In einer Buchhandlung habe ich mich über einschlägige Fachbücher beraten lassen, die es zu dieser Thematik gibt. Und seitdem ich einige Ratgeber dazu studiert habe, gelingt es mir schon sehr viel besser.“

Ein letztes Beispiel zum Bereich Kommunikation: „Je nachdem, über welches Thema es geht, ich höre manchmal überhaupt nicht mehr auf, zu reden. Ich spreche dann so engagiert, dass ich nicht mehr merke, ob mir die anderen noch folgen können. Wenn mich jemand unterbricht und darum bittet, dass eine oder andere zu wiederholen oder mir ganz offen sagt, dass ihn mein Thema nicht interessiert, dann ist das für mich völlig in Ordnung und wir einigen uns einfach auf einen Themenwechsel.“

Schwächen als Herausforderungen sehen

Wir haben Ihnen jetzt einige Beispiele präsentiert, an denen Sie sich orientieren können. Überlegen Sie, wie sie diese am besten auf die Schwächen übertragen können, die Sie Ihrer Meinung nach haben. Je konkreter Sie Situationen und vor allen Dingen Ihre Gegenmaßnahmen benennen können, desto besser. Daran wird Ihr Arbeitgeber erkennen, dass Sie gewillt sind, an Ihrer Persönlichkeit aktiv zu arbeiten und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Abschliessend präsentieren wir Ihnen eine Liste von Schwächen, die Sie erwähnen können:

  • Merken von Namen oder Geburtstagen
  • Nervosität in bestimmten Situationen
  • es fällt schwer, nein zu sagen
  • manchmal sind Sie zu direkt
  • Starrsinnigkeit
  • zu wenig Berufserfahrung (nur, wenn Sie Berufsanfänger sind)
  • zu ruhig oder zurückhaltend
  • unorganisiert
  • vergesslich
  • kein guter Orientierungssinn
  • zu gutmütig
  • Sprechen vor Publikum
  • zu viele Aufgaben gleichzeitig erledigen wollen

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