Vorstellungsgespräch

Stärken im Vorstellungsgespräch und im Beruf

Wir alle sind in manchen Dingen besonders gut, andere wiederum liegen uns nicht so sehr. Die Stärken von Kandidaten sind bei der Bewerbung oft ausschlaggebend dafür, ob sie eine Zusage erhalten oder nicht. In fast jedem Vorstellungsgespräch wird Ihnen die Frage nach Ihren Stärken gestellt werden. Deshalb sollten Sie darauf vorbereitet und in der Lage sein, souveräne Antworten parat zu haben. Doch was wollen Personalverantwortliche eigentlich wissen, wenn sie nach den Stärken von Kandidaten fragen? Und wie antworten Sie richtig darauf? All das finden Sie in diesem Artikel.

Was versteht man unter Stärken?

Ihre Stärken sind das, was Sie auszeichnet. Sie gehören zu jenen Aspekten, die Sie anderen Bewerbern voraus haben und sind der Grund dafür, warum Sie für einen bestimmten Job besser geeignet sind. Allgemein können zu den Stärken zwar auch besondere fachliche Erfahrungen gehören, wenn allerdings Personalverantwortliche beim Vorstellungsgespräch explizit nach den Stärken fragen, dann meinen sie damit in der Regel persönliche und soziale Kompetenzen. Mit dem Begriff Stärken sind in diesem Zusammenhang also die Soft Skills gemeint, über die Bewerber verfügen.

Die Stärken können ein wichtiger Einflussfaktor dafür sein, ob sich Personalverantwortliche für oder gegen bestimmte Kandidaten entscheiden. Denn ausgezeichnete Fachkenntnisse sind zwar wichtig, allerdings nur in Kombination damit, dass eine Person auch in der Lage ist, dieses Wissen anzuwenden und Eigenmotivation zu zeigen. Diese Eigenschaften eines Menschen wirken sich im Beruf insbesondere auf folgende Bereiche aus:

  • Umgang mit den Kollegen
  • Verhalten gegenüber Geschäftspartnern und Kunden
  • Arbeitsweise (eigenverantwortlich oder wird Führung von anderen benötigt)
  • Belastbarkeit und Verhalten bei Stress
  • Umgang mit Kritik

Welche Stärken gibt es?

Ähnlich wie bei den Soft Skills gibt es für die persönlichen Stärken eines Menschen keine allgemeingültige Liste. Welche Eigenschaften bei Ihrem Vorstellungsgespräch von Bedeutung sind, kommt vor allem auf den Beruf an, für den Sie sich bewerben. Außerdem können die Vorstellungen von Vorgesetzten und Arbeitgebern oft unterschiedlich sein: Während für manche eine pünktliche Abgabe von Projekten unabdingbar ist, schätzen andere eine perfektionistische Arbeitsweise, bei der es mitunter auch über die Deadline hinausgehen darf.

Dies sind einige der Stärken, die im Berufsleben wichtig werden können:

  • Teamfähigkeit
  • Kommunikationstalent/effektive Kommunikation
  • Lernbereitschaft/Offenheit
  • eigenständige Arbeitsweise/Selbstmotivation
  • Verhandlungsgeschick/Durchsetzungskraft/Willensstärke
  • Organisationstalent/strukturierte Arbeitsweise
  • Sorgfalt/Pflichtbewusstsein/Zuverlässigkeit
  • Stressresistenz/Durchhaltevermögen
  • Kritikfähigkeit/Selbstbewusstsein
  • Empathie/Geduld
  • Kreativität/analytisches Denken

Welche Stärken für einen bestimmten Beruf wichtig sind, hängt natürlich auch von der Branche ab. Während für serviceorientierte Berufe mit Kundenkontakt insbesondere Kommunikationstalent, Verhandlungsgeschick oder Durchsetzungskraft von größerer Bedeutung sind, so ist bei handwerklichen Berufen eher eine selbstständige Arbeitsweise und Organisationstalent von Vorteil.

So finden Sie Ihre Stärken heraus

Manchen Menschen kann es schwerfallen, ihre eigenen Stärken zu identifizieren. Oft steckt das Gefühl dahinter, dass man Bescheidenheit zeigen müsse – aber dies ist völlig unbegründet. Jede Person hat seine individuellen Stärken und sollte diese nicht verstecken. Für manche Menschen erfordert es ein gewisses Ausmaß an Selbstbewusstsein, bevor Sie sich klar zu ihren Stärken bekennen können. Falls Sie nicht genau wissen, wo Ihre Stärken liegen, können Sie es mit diesen Tipps herausfinden.

Erfolge in der Vergangenheit

Welche beruflichen oder privaten Erfolge prägen Ihre Vergangenheit? Was haben Sie erreicht, auf das Sie besonders stolz sind? Haben Sie zum Beispiel in Ihrem letzten Beruf sehr hart an einem Projekt gearbeitet und mussten sich dabei neue Fähigkeiten aneignen? Dies wäre ein gutes Beispiel für eine selbstorganisierte Arbeitsweise und einen starken Lernwillen.

Analyse von Talenten und Hobbys

Ihre Stärken beschränken sich keineswegs nur auf Ihr Berufsleben – auch im Alltag kommen diese zum Vorschein. So können z. B. Ihre Hobbys und Dinge, die Sie gerne tun, einen Hinweis auf Ihre Stärken geben. Wenn Sie beispielsweise Ihren Freunden gerne dabei halfen, eine Geburtstagsfeier zu planen, dann lässt dies auf ein ausgeprägtes Organisationstalent schließen.

Verhalten in Problem- und Konfliktsituationen

In unangenehmen Situationen zeigt sich oft, wo die Stärken eines Menschen liegen. Wenn Sie bei einem Streit eher aktiv werden und die Schlichtung übernehmen, dann gehört die Lösung von Konflikten und Problemen wahrscheinlich zu Ihren Stärken. Zudem ist dies auch mit einem gewissen Einfühlungsvermögen verbunden.

Einschätzung anderer Personen

Sie können auch Ihre Freunde oder Ihre Familie hinsichtlich deren Einschätzung fragen, über welche persönlichen Stärken Sie verfügen. Diese werden Ihnen wahrscheinlich einige Eigenschaften nennen können, die sie an Ihnen schätzen oder für die sie Sie beneiden. Auch eine Einschätzung von Lehrern, Coaches oder Arbeitgebern, mit denen Sie in der Vergangenheit zu tun hatten, kann Ihnen diesbezüglich weiterhelfen.

Schreiben Sie Ihre Überlegungen hinsichtlich Ihrer Stärken auf

So können Sie Ihre Stärken besser zuordnen und sie auch explizit benennen und begründen. Erwarten Sie aber nicht, dass Ihnen alle Ihre guten Eigenschaften sofort einfallen. Bei vielen Stärken sind Sie sich vielleicht zuerst gar nicht bewusst, dass es sich um solche handelt. Haben Sie Ihre Stärken identifiziert, so können Sie daran arbeiten, diese noch weiter auszubauen und weiterzuentwickeln.

Die Stärken im Vorstellungsgespräch

Bereits in Ihrer schriftlichen Bewerbung werden Sie einige Ihrer Stärken erwähnt haben – idealerweise jene, die zur Stellenanzeige und zum Unternehmen passen. Sind Sie nun zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden, ist dies ein gutes Zeichen dafür, dass Personalverantwortliche Ihre Bewerbungsunterlagen positiv bewertet haben und mehr über Sie erfahren wollen. Um auf die Frage nach Ihren Stärken vorbereitet zu sein, sollten Sie sich nicht nur darüber im Klaren sein, welche Stärken Sie besitzen, sondern auch darüber, wie Sie diese Ihrem Gegenüber am besten vermitteln. Nachfolgend einige Tipps dazu:

  • Nennen Sie die für das Unternehmen relevante Stärken. Überlegen Sie sich, welche Stärken Sie selbst für Ihre wertvollsten Assets halten. Oft können Sie bereits aus der Stellenanzeige erkennen, welche Themenbereiche für das Unternehmen von Bedeutung sind. Versuchen Sie, zu jedem dieser Themen eine Stärke zu finden, die Sie nennen können.
  • Beschränken Sie sich auf die wichtigsten. Beschränken Sie sich auf jene Stärken, die Sie am besten auszeichnen. Einige solide Stärken sollten einer Vielzahl von vagen Eigenschaften vorgezogen werden.
  • Verwenden Sie anschauliche Beispiele. Nennen Sie Ihre Stärken nicht nur als abstrakte Begriffe, sondern bereiten Sie sich darauf vor, diese mit Beispielen zu veranschaulichen. Stärken gehören zu den Soft Skills und können nicht konkret gemessen werden wie etwa ein Schulabschluss. Überlegen Sie sich deshalb Situationen, in denen die jeweiligen Stärken zum Einsatz kamen und präsentieren Sie diese als anschauliches Beispiel. Dabei kann es sich um Situationen aus Ihrem Berufsleben oder Ihrem privaten Bereich handeln. Auch ehrenamtliche Tätigkeiten eignen sich gut als Beispiele.
  • Finden Sie eine Balance zwischen Selbstbewusstsein und Bescheidenheit. Achten Sie darauf, bei der Nennung Ihrer Stärken nicht arrogant oder selbstgefällig zu wirken. Natürlich dürfen Sie stolz auf Ihre positiven Eigenschaften sein, wenn Sie jedoch übertreiben, kann dies unehrlich wirken. Versuchen Sie, die richtige Mischung aus Selbstsicherheit und Zurückhaltung zu finden.

Erfinden Sie auf keinen Fall Stärken, die Sie nicht besitzen, nur um potenziellen Arbeitgebern zu imponieren. Dies kommt früher oder später heraus, wirft ein schlechtes Licht auf Sie und kann wie ein Vertrauensbruch wirken. Bleiben Sie bei der Wahrheit und versuchen Sie, damit zu überzeugen.

Bleiben Sie flexibel – Fragen von Personalverantwortlichen

Nicht immer können Sie sich auf alle Fragen nach Ihren Stärken im Vorstellungsgespräch vorbereiten. In manchen Fällen stellen Personalverantwortliche spezielle Fragen, für die Sie möglicherweise keine vorbereitete Antwort parat haben. Dazu können zum Beispiel folgende gehören:

  • Wie schätzen Sie Ihre Kommunikationsstärke auf einer Skala von 0 – 10 ein?
  • Welche Stärken haben Sie dabei unterstützt, Ihr Studium abzuschließen?
  • Wie reagieren Sie, wenn Sie bemerken, dass Sie einen Fehler begangen haben?
  • Was schätzen Ihre Arbeitskollegen besonders an Ihnen?
  • Welche positive Eigenschaft würden Ihre Freunde über Sie nennen, wenn Sie nur eine einzige auswählen dürften?
  • Welchen Mehrwert bringen Sie dem Unternehmen im Vergleich zu anderen Bewerbern?

Auch wenn Sie bei manchen Fragen auf den ersten Blick überfordert sind, sollten Sie versuchen, gelassen zu bleiben. Antworten Sie ehrlich und erfinden Sie keine Stärken, nur um besser zu wirken.

Keine Stärken ohne Schwächen

Sie haben sich eingehend mit Ihren positiven Eigenschaften beschäftigt und wissen, welche Stärken Sie besitzen und wie Sie diese Ihrem Gegenüber vermitteln können. Doch statt der Frage bezüglich Ihrer Stärken kommt die Frage nach Ihren Schwächen. Doch dies ist kein Grund zur Panik, denn Sie kennen Ihre Schwachstellen und wissen, wie Sie diese vermitteln können – nämlich positiv und als Herausforderung formuliert.

Ein absolutes No-Go ist die Antwort: „Ich habe keine Schwächen.“ Vermeiden Sie dies auf jeden Fall und nennen Sie stattdessen eine Schwäche, an der Sie arbeiten können. Veranschaulichen Sie Ihre Ausführungen mit einem Beispiel aus Ihrer Berufs- oder Schullaufbahn oder Ihrem persönlichen Alltag. Wie zeigt sich die Schwäche konkret? Was haben Sie in der Vergangenheit unternommen, um an dieser Schwäche zu arbeiten? Hier könnten Sie beispielsweise die Teilnahme an Coachings oder Workshops oder eine eigenständige Änderung Ihres Verhaltens nennen.

Unabhängig davon, welche Schwächen Sie Ihren potenziellen Arbeitgebern gegenüber erwähnen, stellen Sie klar, dass Sie bereit sind, daran zu arbeiten oder dies bereits tun. Das Eingeständnis einer Schwäche beweist, dass Sie in der Lage sind, sich selbst angemessen einzuschätzen, Fehler einzugestehen und darauf bedacht sind, es in Zukunft besser zu machen.

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